re:publica: Digitalisierte Kreislaufwirtschaft ist massiver Vorteil
Bundesumweltminister Carsten Schneider stellte am 19. Mai auf der re:publica in Berlin die Digitalisierungsinitiative zur Schließung von Stoffkreisläufen vor. Das Programm des Bundesumweltministeriums soll den Wandel hin zur Kreislaufwirtschaft mithilfe von digitalen Technologien ermöglichen.
Der Bundesminister betonte auf der re:publica das große Innovationspotenzial digitaler Technologien. Es sei für Deutschland ein massiver globaler Vorteil, wenn es gelinge, Circular Economy und Digitalisierung zu verknüpfen. Die Digitalisierungsinitiative der Bundesregierung mache mit Daten, Künstlicher Intelligenz (KI) und digitalen Technologien die Transformation von einer linearen zu einer zirkulären Wirtschaft möglich. Sie schaffe Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette und fördere zirkuläre Geschäftsmodelle. Dies unterstütze Unternehmen, digitale Technologien sowie Umwelt und Klima, so Carsten Schneider. Insgesamt solle die Kreislaufwirtschaft mit 150 Millionen Euro gefördert werden.
Circular Intelligence im Fokus
Unter anderem solle KI mehr als bisher genutzt werden, um Kreislaufwirtschaft effizienter und kostengünstiger zu machen. Dazu werde die Förderinitiative KI-Leuchttürme weiterentwickelt. Auch entwickelt beispielsweise der Green AI Hub gemeinsam mit Unternehmen prototypische Lösungen. Unterstützt wird auch die Einführung Digitaler Produktpässe (DPP). Als innovatives Beispiel wurde auf der re:publica der Green AI Hub Produkt-Chat präsentiert. Mit ihm können Nutzer*innen mit einem Digitalen Produktpass kommunizieren, zum Beispiel dem eines Staubsaugerroboters. So können sie lernen, wie sie das Gerät reparieren, wie sie den Akku austauschen oder wie sie es richtig entsorgen.
Bauwirtschaft trifft auf KI
Was Unternehmen bereits leisten können, zeigte das Beispiel von Concular. Das Unternehmen unterstützt Bauunternehmen und die Immobilienbranche dabei, nachhaltiger zu bauen. Mit dem Green AI Hub wurden Matching-Algorithmen entwickelt, um wiederverwendbare Bauteile bei der Planung neuer Gebäude zu berücksichtigen. Laut Dominik Campanella, Concular, würden normalerweise die Materialien, die für einen Hausbau nötig seien, nirgendwo gespeichert. Sein Unternehmen sammelt diese Daten und könne diese, unter anderem mit KI, bei einem Abriss direkt abrufen. So können Materialien besser verwertet, an Bauunternehmen weitergegeben und für neue Gebäude wiederverwendet werden. Der Re-Use spare bis zu 95 Prozent CO2 ein.
Regulierung schafft neue Märkte
Gemeinsam mit Aljoscha Burchardt, DFKI, und Philipp Hacker, ENS, nahm Dominik Campanella die Digitalisierungsinitiative näher unter die Lupe. Dabei ging es darum, wie Unternehmen neue, nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln und wie industrielle KI Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit beeinflusst. Laut Hacker unterstützen besonders spezialisierte KI-Modelle die Kreislaufwirtschaft. Sie hätten einen deutlich geringeren Energie-Impact als große KI-Modelle. In der Entwicklung kleiner Modelle läge daher eine große Chance für die deutsche Wirtschaft. Regulierung sei dabei kein Hemmnis, sondern schaffe ganz im Gegenteil neue Märkte. Dominik Campanella lobte die deutsche Förderlandschaft. Diese sei sehr gut und unterstütze besonders junge, kleine Unternehmen. So sei für Concular unter anderem die Zusammenarbeit mit dem Green AI Hub wertvoll gewesen. Für Aljoscha Burchardt war ergänzend die Frage nach dem menschlichen Faktor beim KI-Einsatz relevant. KI könne bereits heute viele kleinere Aufgaben vollständig übernehmen. Der Mensch müsse aber weiterhin entscheiden und dürfe relevante Kompetenzen nicht an sie abgeben.
KI nachhaltig gestalten
Wie KI nachhaltig gestaltet werden kann, zeigte der Workshop des Green AI Hub zu den Guidelines for Green AI. Johannes Fischer, Peter Rolfes und Marco Behnert zeigten dabei, wie ein grünes KI-System entwickelt und betrieben werden kann. Dabei solle u. a. auf eine ressourcenschonende Entwicklung und eine positive Ökobilanz der KI geachtet werden. Bereits frühzeitig müsse dies mitkonzipiert und mitgedacht werden. Die Workshopteilnehmenden diskutierten die Leitlinien und klopften ab, ob diese praxistauglich seien. Dabei gingen sie unter anderem auf die Größe der KI-Modelle ein. Fazit: es lohne sich, auf kleine, lokale KI-Modelle zu setzen, da diese anders als die großen Modelle eine positive Energiebilanz und eine hohe Effizienz aufwiesen. Auch sollte KI möglichst für Nachhaltigkeit selbst eingesetzt werden, KI-Einsatz solle nie Selbstzweck sein.
Wir danken allen Teilnehmenden für eine spannende Session und wertvolle Inputs auf der re:publica!